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Daniel Barenboim
© Holger Kettner / Decca
10.07.2019
Der Sommer ist da und damit die alljährliche, von vielen sehnsüchtig erwartete Zeit der Internationalen Musikfestivals. Zwischen Bayreuth und Salzburg, von Schleswig-Holstein bis nach München, in Innsbruck, Schwetzingen, Verbier und anderswo tummeln sich Heerscharen klassikbegeisterter Musik-Aficionados, um sich das Who is who der Klassikszene, interessante musikalische Events oder die Begegnung mit aufregenden Newcomern zu geben. Im Hinblick auf das vielfältige Angebot sei gewiss:  "Von allem und für jeden etwas!"

Bayreuther Festspiele

Den Anfang machen, natürlich, die Bayreuther Festspiele mit ihrer heißbegehrten und seit über 100 Jahren erfolgreichen Monothematik Richard Wagner. In diesem Jahr steht der “Tannhäuser” in ihrer Premierenreihe und eröffnet die Festspiele am 25. Juli im liebevoll “Scheune” genannten Festspielhaus. Besonderes Augen- und Ohrenmerk gilt hier dem Bayreuth-Debüt einer jungen vielversprechenden Wagnersopranistin aus Norwegen, Lise Davidsen, die sich nicht nur durch ihre Auftritte zwischen Chicago, Zürich und München für die Partie Elisabeth empfohlen hat. Sie war auch im April Gast in einer der mittlerweile berühmten Berliner Yellow Lounges, wo sie deutlich machte, dass ihre Stimme im Club schön ist, aber das Bayreuther Festspielhaus mit seinen 1937 Plätzen doch der passendere Ort ist. Und es gibt eine zweite bemerkenswerte Bayreuth-Debütantin – diese aber mit bereits klangvollem großem Namen: Anna Netrebko. Die berühmteste Opernsängerin unserer Zeit gibt sich in zwei Vorstellungen von “Lohengrin” im August die Ehre und dies gemeinsam mit ihren Kollegen Piotr Beczała, Tomasz Konieczny sowie dem Bayreuther Generalmusikdirektor Christian Thielemann am Pult. Das kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, mit genau diesen Kollegen gab La Netrebko 2016 ihr sensationelles Wagnerdebüt an der Semperoper in Dresden! Die Spannung auf dem Grünen Hügel könnte größer kaum sein. Auch Günther Groissböck ist anno 2019 wieder in der “Scheune” zu Gast, als Veit Pogner in den “Meistersingern” und Gurnemanz im “Parsifal”.

Salzburger Festspiele

Weder Geographisch und schon gar nicht in Hinsicht auf die Vielseitigkeit des Programms ist der Weg vom Franken- ins Salzburger Land ein Katzensprung. Hier beginnen am 20. Juli die Salzburger Festspiele. Zunächst in guter alter Tradition mit Hofmannsthals “Jedermann” auf dem Domplatz, ab dem 27. Juli dann musikalisch mit Mozarts “Idomeneo” in der Felsenreitschule. Man möchte Friedrich Schiller und seine “Kraniche des Ibykus” zitieren, denkt man die auftretenden Künstlerinnen und Künstler: “Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?” Salzburg ist jedes Jahr der Tummelplatz für die wichtigsten und angesagtesten internationalen Künstlerinnen der Klassikbranche. Das Festspieljahr 2019 macht da keine Ausnahme. Deshalb kann man in der Aufzählung auch nur einige wenige Höhepunkte nennen: Anna Netrebko singt vor ihrem Bayreuth-Debüt in drei konzertanten Aufführungen die Titelrolle in “Adriana Lecouvreur”. Cecilia Bartoli geht mit ihren “Les Musiciens du Prince” in die “Sommerrunde” ihrer hochgelobten “Alcina”-Produktion von den diesjährigen Salzburger Pfingstfestspielen und gibt insgesamt achtmal Händels Zauberin aus Ariosts “Orlando furioso”. Ein Wiedersehen mit der großartigen Anne Sofie von Otter gibt es in der Festspielproduktion zum Offenbach-Jubiläum, “Orphée aux enfers”, und zwar als L’Opinion publique. Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und Riccardo Muti wechseln sich am Pult der Wiener Philharmoniker ab: Blomstedt mit Mahler 9, Muti mit dem Verdi-Requiem, (bei dem der großartige Ildar Abdrazakov die Bass-Partie übernimmt!), Barenboim mit Mahler 5 und dessen Kindertotenliedern und Haitink mit Bruckner 7 und Murray Perrahia in Beethovens G-Dur-Klavierkonzert. Yannick Nézet-Séguin springt für den erkrankten Mariss Jansons am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ein und gemeinsam mit Lisa Batiashvili musiziert er Prokofjews 2. Violinkonzert sowie Orchesterwerke von Beethoven, Schostakowitsch, Sibelius und Strauss. Zweimal ist das West-Eastern Divan Orchestra mit Daniel Barenboim zu Gast und die Solisten beider Konzerte könnten nicht hochkarätiger sein: Martha Argerich mit Tschaikowskys erstem Klavierkonzert sowie Anne-Sophie Mutter mit dem Violinkonzert von Jean Sibelius. Andris Nelsons wiederum gastiert mit “seinem” Gewandhausorchester Leipzig und Bruckners monumentaler 8. Symphonie. Im Haus für Mozart geben sich Martha Argerich und Daniel Barenboim in einem Duo-Abend mit Musik von Prokofjew, Schumann und Schostakowitsch die Ehre. Unter den Solisten dürfen natürlich die drei Großmeister an den Tasten, Grigory Sokolov, Maurizio Pollini und Evgeny Kissin nicht fehlen. Arthur und Lucas Jussen spielen zwei Mozart-Matineen mit Àdam Fischer am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg, außerdem stellt Grigory Sokolov in einem Sonderkonzert die russische Pianistin Alexandra Dovgan vor.

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein Musik Festival

In Mecklenburg-Vorpommern geben sich noch bis Mitte September u.a. Lisa Batiashvili, Hilary Hahn, Daniel Hope und Mitsuko Uchida sowie internationale Klangkörper wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und der Dresdner Kreuzchor die Klinke in die Hand. Weiter westlich, in Schleswig-Holstein, sind es die Geiger Daniel Hope und Janine Jansen mit einer ganzen Serie von Konzerten unterschiedlichster Façon, dazu Sergej Babayan, Olivier Latry, Evgeny Kissin, Julia Lezhneva mit einem Barock-Programm, Grigory Sokolov, Avi Avital, Kian Soltani mit dem Cello-Konzert von Schostakowitsch, Víkingur Ólafsson mit einem reinen Bach-Programm, der Shootingstar Daniel Lozakovich mit Bach- und Mozart-Konzerten, Jan Lisiecki, Hilary Hahn mit zwei Bach-Konzerten und schließlich der “Altmeister” an der klassischen Gitarre, Pepe Romero. Hier wird Abwechslung groß geschrieben!

Verbier Festival

Als Geheimtipp für Musikbegeisterte, denen kein Weg zu weit und mühsam ist, um ihre Favoriten live zu erleben, soll hier noch auf das Festival im schweizerischen Verbier verwiesen sein. Wo sich im Winter die Ski-Begeisterten die Walliser Hänge hinab wagen, hat sich in den Sommermonaten ein kleines aber feines Festival von allerhöchster künstlerischer Qualität entwickelt und feiert hier seit mehr als 25 Jahren die Großen der klassischen Welt in besonderer und zwangloser künstlerischer Atmosphäre. Viele von ihnen sind mittlerweile Stammgäste auf dem von Martin Engström ins Leben gerufenen und geleiteten Festival und auch in diesem Jahr ist es wieder ein Rendezvous der großen Namen: Babayan, Goebel, Goerne, Hampson, Hope, Kavakos, Kissin, Maisky, A. Schiff, Sokolov, Trifonov und viele andere stehe für die Qualität und das breite künstlerische Spektrum von Verbier.
Und so endet dieser kleine und keineswegs den Anspruch auf nicht einmal annähernde Vollständigkeit erhebenden Streifzug durch einige wichtige klassische Sommerfestspiele. Wie gesagt, “Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?” Die Festspielsaison verspricht auf jeden Fall eine an musikalischen Erlebnissen und vielleicht oder besser noch; auch an Entdeckungen reiche Zeit zu werden.