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Der Gott der kleinen Dinge: Boulez dirigiert Mahler

14.02.2001
Ein hartes Jahr für Gustav Mahler. 1907 verlor er seine Position als Hofoperndirektor am Wiener Ring, er hatte den Verlust seiner ältesten Tochter zu verschmerzen und sein Arzt diagnostizierte eine schwere Herzerkrankung.
In diesem Jahr der “Hammerschläge” beschäftigte er sich mit freien Nachdichtungen jüngerer und älterer chinesischer Lyrik und legte sie seinem “Lied von der Erde” zugrunde, das er in zwei Sommern in seinem Ferienhaus im Südtiroler Toblach 1908 und 1909 komponierte. Es entstand ein völlig neues Genre, eine symphonisch konzipierte Komposition für Tenor und Alt bzw. Bariton, die Mahler erst in der Unterzeile “Symphonie” nennt. Das “Lied von der Erde” ist die neueste Veröffentlichung im Mahler-Zyklus von Pierre Boulez. Seine Mahler-Auffassung polarisiert, weil sie noch das kleinste Detail wichtig nimmt, nichts einem allgemeinen Sound überlässt, auch die kleinste Motivspur herausmeißelt. Bei dieser neuesten Mahler-Einspielung hat Boulez mit einer sehr wienerischen Besetzung – Wahl-Wiener Michael Schade und die Wiener Philharmoniker – zusammengearbeitet: Neue Debatten und Kontroversen sind garantiert. Ein gutes Jahr für uns mit Mahler und Boulez.
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