Yannick Nézet-Séguin | Biografie

Biografie

Yannick Nézet-Séguin
© Hans van der Woerd
Aufgrund der Covid−19-Pandemie können wir momentan keine zuverlässigen Aussagen bezüglich der jetzigen und kommenden Spielzeit machen.
»[Yannick Nézet-Séguin] brachte seine Qualitäten als Musiker und musikalischer Leiter vollends zur Geltung. Man kann gar nicht genug betonen, wie hervorragend das Orchester der Met unter seiner Leitung ist. Jeder Ton ist am richtigen Platz, und die verschiedenen Farben verschmelzen wundervoll miteinander … Am eindrucksvollsten war es jedoch, wie nuanciert und elegant er die musikalische Form der Oper erschloss … die musikalische Leitung ließ keine Wünsche offen.« Operawire, Rezension von Dialogues des Carmélites, 9. Mai 2019
Yannick Nézet-Séguin wurde im September 2018 der dritte Musikdirektor der Metropolitan Opera in New York. Seine zehnte und letzte Saison als Musikdirektor des Philharmonischen Orchesters Rotterdam wurde gekrönt mit den Feiern zum 100-jährigen Bestehen des Orchesters in Rotterdam im Juni 2018, mit einer Tournee im Sommer zu den führenden europäischen Festspielen und mit seiner Ernennung zum Ehrendirigenten. Er behält sein Amt als Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, das er seit 2012 innehat, und bleibt Künstlerischer Direktor und Chefdirigent des Orchestre Métropolitain (Montreal), wo er seit 2000 tätig ist. Im September 2019 wurde bekannt gegeben, dass er einen Vertrag auf Lebenszeit mit dem Orchestre Métropolitain akzeptiert hat – ein Schritt, der das tiefe wechselseitige Vertrauen zwischen Spielern, Management und Dirigent bezeugt.
Yannick Nézet-Séguin studierte Klavier, Dirigieren, Komposition und Kammermusik am Conservatoire de musique du Québec in seiner Heimatstadt Montreal sowie Chorleitung am Westminster Choir College in Princeton, New Jersey, bevor er seine Studien bei renommierten Dirigenten fortsetzte, insbesondere beim italienischen Maestro Carlo Maria Giulini. Als er 2004 erstmals in Europa auftrat, hatte er bereits sein eigenes professionelles Orchester und Vokalensemble, La Chapelle de Montréal, gegründet und dirigierte alle großen kanadischen Ensembles.
2008 wurde er zum Ersten Gastdirigenten des London Philharmonic Orchestra ernannt und hatte dieses Amt bis 2014 inne. 2009 gab er mit dem Scottish Chamber Orchestra sein Debüt bei den BBC Proms, wo er erneut 2010 und 2013 mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam auftrat. 2013 wurde er für drei Jahre als ständiger Gastkünstler an das Konzerthaus Dortmund verpflichtet.
Seine ersten Konzerte als Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, darunter Verdis Requiem bei seinem Debüt in der Carnegie Hall, erhielten enthusiastische Kritiken. Neben den regulären Abonnements- und Tourneekonzerten leitet er jedes Jahr drei Konzerte in der Carnegie Hall. Er hat jetzt seinen Vertrag mit dem Orchester mindestens bis zur Spielzeit 2025/26 verlängert.
Nézet-Séguin ist gleichermaßen im Konzertsaal wie im Opernhaus zu Hause. Sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gab er 2008 mit einer Neuproduktion von Roméo et Juliette. 2010 kehrte er für die Mozartwoche nach Salzburg zurück, 2010 und 2011 für Don Giovanni bei den Sommerfestspielen, 2015 für Konzerte mit den Wiener Philharmonikern, 2016 für Haydns Die Schöpfung mit dem Chamber Orchestra of Europe und 2019 für zwei Konzerte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bei den Sommerfestspielen. An der Mailänder Scala trat er 2011 das erste Mal auf, darüber hinaus hat er am Royal Opera House, Covent Garden, an der Wiener Staatsoper und der Nederlandse Opera dirigiert und im Baden-Badener Festspielhaus maßgeblich an einer höchst erfolgreichen Reihe von Mozart-Opern mit dem Chamber Orchestra of Europe mitgearbeitet. Ehemals Chorleiter, Assistenzdirigent und musikalischer Berater an der Opéra de Montréal, leitete er dort Produktionen von L’incoronazione di Poppea, Il barbiere di Siviglia, Così fan tutte, Pelléas et Mélisande, L’elisir d’amore, Wozzeck, Madama Butterfly, Salome und Elektra.
Nach seinem Debüt an der Metropolitan Opera im Jahr 2009 mit einer gefeierten Produktion von Carmen kehrte er in jeder Spielzeit zurück und leitete dort Aufführungen von Don Carlo, Faust, La traviata, Rusalka und Otello. In der Spielzeit 2016/17 dirigierte er die Wiederaufnahme von Der fliegende Holländer, seiner ersten Wagner-Oper an diesem Haus. Im Februar 2018 folgte Parsifal und einen Monat später Elektra. In seiner ersten Saison als Musikdirektor der Met leitete er dort La traviata (Dezember 2018), Pelléas et Mélisande (Januar 2019) und Dialogues des Carmélites (Mai 2019). Zudem dirigierte er erstmals das Orchester der Met außerhalb des Opernhauses bei zwei Konzerten in der Carnegie Hall (Juni 2019). In dieser Spielzeit dirigierte er bereits Aufführungen von Turandot, und er wird zudem bei Produktionen von Wozzeck (Dezember 2019/Januar 2020) und Werther (März/April 2020) am Pult der Met stehen.
Zu seinen Verpflichtungen in dieser Saison gehörten bislang auch konzertante Aufführungen von Fidelio an der Opéra de Montréal mit dem Orchestre Métropolitain sowie breit gefächerte Programme mit dem Philadelphia Orchestra bei Konzerten zu Hause und auf Asientournee. Besondere Höhepunkte sind seine neun Konzerte in der Carnegie Hall im Rahmen der Reihe Perspectives Artists 2019/20. Während der letzten Wochen dirigierte er das Orchestre Métropolitain bei dessen erstem Auftritt in diesem legendären Konzertsaal (im Rahmen der ersten USA-Tournee des Orchesters) und begleitete Joyce DiDonato bei ihrer Interpretation von Schuberts Winterreise am Klavier. Geplant sind noch ein Zyklus der Beethoven-Symphonien mit dem Philadelphia Orchestra im Frühjahr 2020 und zwei Konzerte mit dem Orchester der Met im Juni.
Yannick Nézet-Séguin unterzeichnete im Mai 2018 einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon und setzte damit eine langfristige Partnerschaft fort, die 2012 mit dem Start eines großen neuen Zyklus von Einspielungen der reifen Mozart-Opern begann, aufgenommen in Baden-Baden mit Rolando Villazón in führenden Rollen. Bisher erschienen sechs dieser Aufnahmen: Don Giovanni, Così fan tutte, Die Entführung aus dem Serail, die für einen Grammy nominierte Le nozze di Figaro, La clemenza di Tito und Die Zauberflöte (»Erneut erweist sich Yannick Nézet-Séguin als vollendeter Mozartinterpret« – Gramophone).
Die ersten Orchesteraufnahmen des Dirigenten für Deutsche Grammophon erschienen im September 2013. Er dirigierte zunächst das Philadelphia Orchestra in dessen erstem Studio-Album für ein großes Label seit einer DG-Aufnahme 1997. Es enthielt Strawinskys Le Sacre du printemps sowie Bach- und Strawinsky-Arrangements von Stokowski. Das zweite Album, diesmal mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam, bot Tschaikowskys Symphonie Nr. 6 »Pathétique« und Romanzen aus opp. 6 und 73, bei denen der Dirigent Lisa Batiashvili auf dem Klavier begleitet. Seine Aufnahme der Schumann-Symphonien mit dem Chamber Orchestra of Europe erschien 2014, Variationen von Rachmaninow mit dem Pianisten Daniil Trifonov und dem Philadelphia Orchestra kamen im August 2015 heraus. Nézet-Séguin arbeitete erneut mit dem COE bei der Aufnahme sämtlicher Symphonien von Mendelssohn – das drei CDs umfassende Album erschien im Juni 2017. Drei Monate später wurde das Album Duets mit Rolando Villazón, Ildar Abdrazakov und dem Orchestre Métropolitain veröffentlicht.
Visions of Prokofiev, veröffentlicht im Februar 2018, bietet Lisa Batiashvilis Aufführungen von Prokofjews Violinkonzerten sowie Arrangements von drei Stücken aus dessen Bühnenwerken, Nézet-Séguin steht wiederum am Pult des COE. Nach gefeierten Live-Aufführungen von Leonard Bernsteins Mass nahm Nézet-Séguin mit dem Philadelphia Orchestra das Werk auf, es erschien im März 2018 und gehörte damit erstmals zum DG-Katalog. Drei Monate später kam The Rotterdam Philharmonic Orchestra Collection heraus, eine sechs CDs umfassende Kassette mit bis dahin unveröffentlichten Live-Aufnahmen, handverlesen von Nézet-Séguin.
Destination Rachmaninov – Departure, das erste von zwei Alben mit Daniil Trifonov und dem Philadelphia Orchestra mit einer Gesamtaufnahme von Rachmaninows Klavierkonzerten, erschien im Oktober 2018. Es enthält die Konzerte Nr. 2 und 4 und gewann den Konzertpreis bei den BBC Music Magazine Awards 2019. Das mit Spannung erwartete Pendant, Destination Rachmaninov – Arrival, mit den Konzerten Nr. 1 und 3 sowie Trifonovs Transkriptionen von Vocalise und Die silbernen Schlittenglocken kam im Oktober 2019 heraus. Nézet-Séguins jüngstes Album bietet Mahlers Symphonie Nr. 8 mit dem Philadelphia Orchestra, ein monumentales Werk, das Dirigent, Orchester, acht erstklassige Solisten und drei Chöre in der Verizon Hall in Philadelphia anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der US-amerikanischen Erstaufführung zu Gehör brachten. Die Aufführung wurde von Deutsche Grammophon mitgeschnitten und erscheint international am 17. Januar 2020.
Yannick Nézet-Séguin erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise: »Künstler des Jahres« von Musical America (2016) und »Dirigent des Jahres« beim Echo Klassik-Preis 2014; Royal Philharmonic Society Award; National Arts Centre Award; Virginia Parker Prize; Prix Denise-Pelletier; und Oskar Morawetz Award. Hinzu kommen sechs Ehrendoktorwürden: von der Université du Québec à Montréal (2011), dem Curtis Institute of Music in Philadelphia (2014), dem Westminster Choir College of Rider University (2015), der McGill University in Montreal (2017), der Université de Montréal (2017) und der Penn University (2018). Er ist Companion of the Order of Canada (2012), Compagnon de l’Ordre des arts et des lettres du Québec (2015), Officier de l’Ordre national du Québec (2015) und Officer des Ordre de Montréal (2017).
12/2019