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Ludwig van Beethoven

Aus dem Herzen getanzt - Die gehörlose Tänzerin Kassandra Wedel übersetzt Beethovens Musik in Bewegung

Kassandra Wedel
© DG
03.03.2020

Kassandra Wedel arbeitet ist Tänzerin, Tanzlehrerin, Choreografin und Schauspielerin. In dem eindringlichen Tanzvideo, das es seit dem 2. März anzusehen gibt, vermittelt die Tänzerin einen expressiv-dramatischen und intuitiv packenden Zugang zu einem der Schlüsselwerke Beethovens, dem ersten Satz seiner Fünften Symphonie op. 67. Kassandra Wedel hat die legendäre Einspielung der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan aus dem Jahr 1977 als Klanglandschaft genutzt, um eine ebenso kraftvolle wie unmittelbare Tanzchoreografie zu kreieren, in der sie die immense Intensität der Musik mimisch und einem vielfältigen Arsenal gestisch-körperlicher Bewegungen zum Ausdruck bringt.

Kurz nachdem Kassandra Wedel mit drei Jahren das Tanzen für sich entdeckt hatte, verlor sie bei einem Autounfall fast ihren kompletten Gehörsinn. In der Stille fand sie schließlich ihre ganz eigene Musikalität und letztendlich weite neue Horizonte für ihre Identität als Tänzerin. 

Ludwig van Beethoven ist Anfang des 19. Jahrhunderts an seinem unaufhaltsam schwindenden Hörsinn nicht zerbrochen, sondern hat aus der zunächst überwältigend ausweglos erscheinenden Situation neue Visionen geschöpft und aus seinem Inneren heraus einige seiner größten Kompositionen geschaffen, mit denen er so oft die musikalischen Grenzen und Konventionen seiner Zeit gesprengt und herausgefordert hat. 

Den Gedanken, Gehörlosigkeit nicht als Defizit, sondern vielmehr als zum Hören distinkten “anderen” Zustand zu verstehen, der auch Vorteile, wie einen Wahrnehmungszugewinn im Hinblick auf andere Sinne bedeutet, wird als “deaf gain” beschrieben, ein Schlagwort, das in der Gehörlosen-Community sehr präsent ist. Die Wahrnehmungsverschiebung durch den fehlenden Sinn des akustischen Hörens ermöglicht es Gehörlosen, sich  Facetten der Welt auf eine Weise zu erschließen, die Hörenden so nicht möglich ist. Dass Gehörlose keinen Zugang zu Musik hätten, ist in jedem Fall ein viel zu kurz greifender Irrglaube. Auch ohne Gehörsinn spürt der Körper die Schallwellen, vor allem die der Beats und Bässe. Es gibt sogenannte “Basslets”, kleine vibrierende Armbänder, oder Subwoofer im Rucksackformat, mit der Musik am ganzen Körper fühl- und auch tanzbar gemacht werden kann. Beethoven selbst hatte ohne diese technischen Musik-Mediatoren auch ohne funktionierendes Gehör einen unmittelbaren Zugang zu seiner Musik. 

Kassandra Wedel visualisiert in vielen ihrer Tanzperformances die Musik darüber hinaus. Sie überträgt die Musik, sowohl Musik von außen als auch Melodien, die in ihrem Inneren klingen, ganz ohne bass-verstärkende Resonanzräume, in Figuren und Bewegungen, die sie oft mit der Lyrik und dem Humor des Gebärdenvokabulars kombiniert. 

So wie Beethoven im frühen 19. Jahrhundert die Musikwelt revolutioniert hat, so ist die Tänzerin im Hier und Jetzt eine Pionierin, die für mehr Anerkennung der Gehörlosen in allen gesellschaftlichen Bereichen kämpft. In der Kunst erobert sie Schritt für Schritt neue “deaf spaces” und zeigt einer heranwachsenden Generation, nicht nur, aber auch von Gehörlosen, wie man sich selbstbewusst und natürlich gegen Widerstände und Vorurteile behaupten kann.

Wenn Beethoven zu seinem 250. Geburtstag in diesem Jahr also unter dem Motto “Play on, play against all odds” durch die Deutsche Grammophon in den Fokus der Musikwelt rückt, könnte es kaum passender sein, als dass Kassandra Wedel zu Beethovens Musik tanzt, um seine Genialität für alle sichtbar zu machen und sein Schaffen noch dazu in einem ganz neuen Licht erstrahlen zu lassen.

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