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Ivo Pogorelich

Der ruhige Perfektionist

08.07.2005

Manchmal muss man Pianisten auch sehen, um die Besonderheiten ihrer Kunst zu erfassen. Ruhig sitzt Ivo Pogorelich am Flügel, lässt sich Zeit, die Inspiration kommen zu lassen und sie in seine makellose Technik umzusetzen. Seine Hände wogen über die Tastatur, mit einer Gleichmäßigkeit und Anmut, die sich auf den Rhythmus der Musik überträgt. So sieht man den Bach, den Scarlatti, den Beethoven entstehen, in Einheit mit dem faszinierenden Surround-Klang, den die moderne Studiotechnik den Aufnahmen aus den Achtzigern entlockt.

Ivo Pogorelich war von Anfang an ein Phänomen. 1958 in Belgrad geboren, schaffte er es bereits als Elfjähriger im sozialistischen Bruderland UdSSR an das Konservatorium von Moskau aufgenommen zu werden. Dort wurde er von Jewgenij Timachin, Gornostaewa und Jewgenij W. Malinin unterrichtet. Außerdem lernte er Alice Kezeradze kennen, die ihn nicht nur mit der Virtuosen-Tradition von Franz Liszt vertraut machte, sondern die er 1982 auch heiratete. Pogorelich machte immense Fortschritte, gewann zunächst 1978 den Casagrande-Wettbewerb in Terni und war dann bereit, sich auch der internationalen Konkurrenz zu stellen. Er reiste zwei Jahre später nach Montréal, landete durch viele Verwicklungen als letzter aller Teilnehmer in Kanada, wurde aber ausgewählt, als erster zu spielen. Somit hatte er gerade ein Woche Zeit, sein vom Wettbewerb vorgegebenes Programm zu erarbeiten und er meisterte diese Aufgabe derart brillant, dass er zur Sensation des Wettbewerbes wurde. Die Folgen dieses Auftritts waren unmittelbar spürbar. Schon wenige Tage danach gaben sich die internationalen Impressarios bei Pogorelich die Klinke in die Hand und versuchten, ihn in ihre Repertoires zu hieven und seine Karriere aufzubauen. Er wurde über Nacht zum renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau angemeldet, dort aber aufgrund russischer Intervention auf intrigante Weise aus dem Rennen geworfen. Das wiederum verärgerte die Jurorin Martha Argerich derart, dass sie von großem Medienrummel begleitet von ihrem Amt zurücktrat. Pogorelich wiederum erschien dadurch so oft in der Zeitung, dass ihm das Geschehen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit einbrachte, als wenn er den Wettbewerb gewonnen hätte.

Wie auch immer, er hatte es eh nicht mehr nötig, sich um sein Renommee zu sorgen. Die Presse weltweit überschlug sich, er wurde als neuer Star am Piano-Firmament gepriesen und hatte eher das Problem, bei all dem Lob auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Jedenfalls ging seine Karriere zügig voran, unter anderem wurde er auch von der Deutschen Grammophon unter Vertrag genommen und mit verschiedenen Projekten auf Langspielplatte und CD präsentiert. Eine besondere Aufnahmesession fand in den Jahren 1986/7 statt. Fasziniert vom Klang und der Atmosphäre historischer Räume gingen Pogorelich und ein Videoteam in die Villa Caldogno in der Nähe von Vicenca und in das niederösterreichische Schloss Eckartsau. Dort nahmen sie zunächst zwei “Englische Suiten” von Bach, außerdem fünf Sonaten von Scarlatti, eine Sonate von Beethoven und als Zugabe die Bagatelle “Für Elise” auf. Es sollte nicht viel technischer Schnickschnack passieren, vielmehr ging es darum, den Künstler mit sich und seiner Musik in Ton und Bild zu dokumentieren. So entstanden Aufnahmen von besonderer Qualität, anhand derer man sehr genau die grandiose Körperbeherrschung studieren kann, die den ungestörten Fluss der Melodien erst möglich macht. Pogorelich erscheint als Meister mit Zen-haften Qualitäten, beeindruckend beherrscht und doch immens präsent. Und so fängt das DVD-Recital einen besonderer Moment der Einheit von Körper und Geist ein, der große Musik erst möglich macht.

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