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Karl Richter
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Festverwurzelt - Karl Richter als Interpret des Bachschen Instrumentalwerks

Karl Richter
© Siegfried Lauterwasser / DG
03.09.2014

Moden waren ihm suspekt. Karl Richter blieb seiner einmal eingeschlagenen Linie treu, als man in den 1950er Jahren begann, Alte Musik mit einem neuen musikalischen Geschichtsbewusstsein zu interpretieren. Zum Einsatz historischer Instrumente – er spielte das moderne Cembalo “Bach” von J.C. Neupert – lies er sich zeitlebens nicht bewegen. Er hielt der Originalklangbewegung entgegen, eine Interpretation ohne Inspiration werde durch historische Staffage schließlich nicht besser.

“Musik mit dem Herzen machen”

Im Zentrum seiner musikalischen Ästhetik stand der Begriff Espressivo. Darin habe das Geheimnis seiner Kunst gelegen, schreibt der Autor der Buchdokumentation “Karl Richter in München” Johannes Martin. “Musik mit dem Herzen machen, Sie müssen das von innen heraus fühlen oder: Seien Sie ganz dabei!!” Mit Worten wie diesen habe Richter versucht, dieses Espressivo für die Musiker greifbar zu machen.

Streitbarer Geist

Karl Richter war nicht unumstritten. Er bevorzugte die Extreme der Interpretation, solange sie zu seiner Vorstellung eines Werkes passten. So stimmte er beispielsweise die Aria aus den Goldberg-Variationen am Cembalo betont langsam an, um einige der daraus entwickelten Variationen in verblüffender Präzision zu beschleunigen. Das hatte nichts mit Exzentrik zu tun. Für ihn war es ein adäquat erscheinendes Mittel, um die jeweilige Besonderheit der Komposition herauszustellen.

Ausbildung im Ausstrahlungsbereich Bachs

Er hatte das während seiner strengen Ausbildung als Schüler von Rudolf Mauersberger, Karl Straube und Günther Ramin gelernt: Wer keine genaue Vorstellung von einem Werk hat, ist auch nicht in der Lage, es stringent zu interpretieren. 1926 im vogtländischen Plauen geboren, kam er als Sohn eines evangelischen Pfarrers bereits in Kinderjahren mit den Bachschen Sakralklängen in Kontakt. Erst Kreuzschüler in Dresden, dann Student der Kirchenmusik bei Straube und Ramin in Leipzig wurde er mit verschiedenen Interpretationstraditionen vertraut und arbeitete sogar ein Jahr lang als Thomasorganist in der Nachfolge Bachs.

Herausragender Bach-Interpret

Im Jahr 1951 zog Richter nach München und begann als Kantor der Markuskirche und Dozent an der Musikhochschule einen Kreis von Bach-Begeisterten um sich zu sammeln. Er gründete den Münchnener Bach-Chor (1951), das Münchener Bach-Orchester (1953) und erwarb sich mit ihnen innerhalb kurzer Zeit den Ruf eines herausragenden Bach-Interpreten. Egal, ob als Ensemble-Leiter, Cembalo-Spieler oder Organist, Richter folgte seiner Idee von Klängen, von lebendigem Ausdruck und beseeltem Geschehen auf der Grundlage technischer und instrumentaler Meisterschaft.

“Revealing Bach” – die Edition

In der limitierten Edition “Revealing Bach” (18CDs) erscheint nun das instrumentale Vermächtnis Karl Richters in seinen gesammelten Aufnahmen von Cembalo-, Orgel-, und Kammermusikwerken von Johann Sebastian Bach für das Label Archiv Produktion. Sie beinhaltet die Goldberg-Variationen, die Brandenburgischen Konzerte, sämtliche Cembalo-Konzerte, Sonaten für Violine bzw. Flöte und Cembalo und Werke für Orgel. Richters legendäre Aufnahme der Messe in h-moll mit dem Münchener Bach-Chor ist der Edition als Bonus beigefügt.

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