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Pierre Boulez

Vom Elektron zum Mikrofon

30.05.2001

Ein kissengestopfter Falstaff im Waschkorb ist die große Lachnummer des Opernspielplans. Sir John Eliot Gardiner spielte “Falstaff” auf CD ein und ersparte sich und allen CD-Hörern die peinliche Kostümfrage.

Er hat das erste Stück der Musikgeschichte ausschließlich für Schlagwerk komponiert, nämlich im Jahr 1931 “Ionisation”. Und doch ist der Franzose Edgar Varèse lange Zeit einer der großen Außenseiter der Neuen Musik geblieben: Weil die sogenannten Serialisten wie etwa Karlheinz Stockhausen den musikalischen Fortschritt durch Konstruktion, das Ausrechnen von Musik voranbringen wollten, geriet seine aus Intuition geborene, dem Klang verpflichtete Komponierweise ein wenig ins Abseits. Da hat es schon besonderen Reiz, wenn sich nun ein weiterer großer “Serialist” der Musikgeschichte, nämlich Pierre Boulez, als Dirigent den Orchesterwerken Varèses stellt. Der aus dem eigenen Komponieren gewonnene analytische Zugang zur Musik, die penible Sezierung ihrer Klangschichten, ist bekanntlich zum Markenzeichen des seit langem der DG verpflichteten Altmeisters der Neuen Musik geworden. Doch versteht es Boulez, die einzelnen Mosaiksteinchen auch wieder zum farbenprächtigen Klangbild zusammenzusetzen: der beste Weg, die Varèse-Partituren mit der für sie zentralen Intensität zum Klingen zu bringen.

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