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Rafal Blechacz
Rafal Blechacz

Biografie

Der polnische Pianist Rafał Blechacz gilt in jeder Hinsicht als Ausnahmekünstler – die Washington Post nannte ihn »einen Musiker im Dienste der Musik, der ihre Tiefen ergründet, ihrer Bedeutung nachgeht und ihre Möglichkeiten erforscht«. Die völlige Beherrschung der Tastatur und die Fähigkeit, das gesamte Ausdrucks­spektrum des Instruments zu erschließen, bilden das Fundament seines Künstlertums – Qualitäten, die Blechacz’ künstlerische und berufliche Entwicklung tragen, seit er 2005 den Ersten Preis beim Internationalen Chopin-Wettbewerb gewann. Heute gehört er zu den besten Pianisten der Welt, der viel gefragt ist, vor allem wegen der Ehrlichkeit und der visionären Kraft all seiner Darbietungen von Bach und Beethoven bis zu Chopin und Szymanowski.

Beim Chopin-Wettbewerb nur wenige Monate nach seinem 20. Geburtstag wurden Ausdruck und Intensität seiner Beiträge nicht nur mit der Goldmedaille belohnt, sondern auch mit allen vier Sonderpreisen des Wettbewerbs und dem Publikumspreis. Im Mai 2006 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon und wurde damit nach Krystian Zimerman der zweite polnische Pianist im internationalen Künstlerteam des gelben Labels. Die neue Partnerschaft begann 2007 mit dem Erscheinen von Blechacz’ erstem Solo-Album, das sämtliche Préludes und die zwei Nocturnes op. 62 von Chopin enthielt. Sein zweites Album, ein Recital mit Klaviersonaten von Haydn, Mozart und Beethoven, erschien 2008. Anschließend wandte er sich erneut Chopin zu und spielte dessen zwei Klavierkonzerte mit dem Concertgebouworkest und Jerzy Semkow für ein Album ein, das 2009 anlässlich des bevorstehenden 200. Geburtstags des Komponisten erschien.

2012 kam sein Album mit Werken von Debussy und Szymanowski heraus. Im Jahr darauf folgte eine weitere erfolgreiche Chopin-Aufnahme, diesmal mit dessen reifen Polonaisen. 2017 erschien Blechacz’ sechstes Album für Deutsche Grammophon mit den Partiten Nr. 1 und 3, dem Italienischen Konzert und anderen Werken von J. S. Bach. Gemeinsam mit der koreanischen Geigerin Bomsori Kim spielte er dann Kompositionen von Fauré, Debussy, Szymanowski und Chopin ein. Die Aufnahme erschien 2019 und war sein erstes Album mit Kammermusik für Deutsche Grammophon.

Das reine Chopin-Programm von Blechacz’ neuester Veröffentlichung bietet seine einfühlsamen Interpretationen der Klaviersonaten Nr. 2 und 3, des Nocturne op. 48 Nr. 2 und der Barcarolle op. 60. »Dieses Programm ist mir sehr vertraut, ich habe es in der ganzen Welt, in verschiedenen Konzertsälen und auf verschiedenen Klavieren gespielt«, erklärt der Künstler. »Ich wollte dem Publikum wirklich die Schönheit dieser Werke nahebringen.« Das Album Chopin erscheint digital, auf CD und als Doppel-LP im März 2023.

Zu Blechacz’ Verpflichtungen in der laufenden Spielzeit zählen Solorecitals in Italien (Januar 2023); Chopins Klavierkonzert Nr. 2 in Athen und sein Konzert Nr. 1 in Mannheim (April); Schumanns Klavierkonzert in München (April); und Liszts Klavierkonzert Nr. 2 in Kaiserslautern, Saarbrücken und Salzburg (Mai).

Rafał Blechacz wurde im Juni 1985 in der nordpolnischen Kleinstadt Nakło nad Notecią geboren. Er zeigte schon früh Anzeichen musikalischer Begabung und erhielt mit fünf Jahren ersten Klavierunterricht. Zunächst besuchte er die Arthur-Rubinstein-Musikschule in Bydgoszcz, dann studierte er an der dortigen Feliks-Nowowiejski-Musikakademie, wo er im Mai 2007 bei Katarzyna Popowa-Zydroń sein Examen machte. Blechacz’ ungewöhnliche technische und künstlerische Fähigkeiten trugen ihm eine Reihe von Wettbewerbserfolgen ein. 2002 erhielt er den Zweiten Preis beim Internationalen Arthur-Rubinstein-Wettbewerb für junge Pianisten in Bydgoszcz, im Jahr darauf gewann er den Internationalen Klavierwettbewerb in Hamamatsu, und der Höhepunkt war 2005 der Erste Preis beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau, wo er als erster polnischer Musiker seit Krystian Zimerman 30 Jahre zuvor den Sieg davontrug.

2010 wurde Rafał Blechacz’ Arbeit mit dem Premio Internazionale »Accademia Musicale Chigiana« gewürdigt, den die gleichnamige Accademia in Siena alljährlich einem überragenden Pianisten oder Geiger verleiht. 2014 erhielt er den Gilmore Artist Award, einen begehrten Preis, der alle vier Jahre in Anerkennung von »außerordentlichen pianistischen Fähigkeiten« vergeben wird. Neben den Preisen und Auszeichnungen wurde Blechacz auch höchstes Lob von älteren Kollegen zuteil: Martha Argerich, die Gewinnerin des Chopin-Wettbewerbs 1965, nannte ihn »einen außergewöhnlichen, sehr ehrlichen und sensiblen Künstler«, und für den irischen Pianisten und Pädagogen John O’Conor ist er »einer der größten Künstler, die ich je im Leben gehört habe«.

2016 bis 2017 zog Blechacz sich aus dem Konzertleben zurück, um seine Promotion im Fach Philosophie an der Nikolaus-Kopernikus-Universiät in Toruń (Polen) abzuschließen. Seine Dissertation widmet sich Aspekten von Metaphysik und Ästhetik in der Musik. Und diese Arbeit half ihm, wie er erklärt, »die Freiheiten und Grenzen musikalischer Interpretationen besser zu verstehen«.

3/2023

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