Anne-Sophie Mutter | News | Beethovens Ermutigung – Anne-Sophie Mutter, Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma mit einer begeisternden Interpretation des Tripelkonzerts

Beethovens Ermutigung – Anne-Sophie Mutter, Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma mit einer begeisternden Interpretation des Tripelkonzerts

Anne-Sophie Mutter, Yo-Yo Ma, Daniel Barenboim
© Peter Adamik
02.04.2020
Der Auftakt des Beethoven-Jahres steht unter dem überwältigenden Eindruck der Corona-Krise. Die humanitäre Botschaft des Wiener Klassikers, sein Appell an die Werte der Aufklärung, an Brüderlichkeit und Zusammenhalt, dürfte dadurch ein noch emotionaleres Echo hervorrufen, als dies in ruhigen Zeiten zu erwarten wäre. Mit umso größerer Neugierde darf ein gerade erschienenes Album in Empfang genommen werden, das als eine der wichtigsten Veröffentlichungen zum Beethoven-Jahr 2020 gehandelt wird und dessen musikalischer Inhalt Trost und Ermutigung verheißt. Mit dem Tripelkonzert op. 56 und der Siebten Sinfonie op. 92 stehen zwei Schlüsselwerke von Beethoven auf dem Programm, deren zuversichtliche Grundstimmung und tänzerische Impulse das Klassikpublikum seit jeher entflammt haben. Das strahlende Tripelkonzert wird dem Publikum in einer gefeierten Live-Interpretation von Anne-Sophie Mutter (Geige), Daniel Barenboim (Klavier) und Yo-Yo Ma (Cello) präsentiert, begleitet vom West-Eastern Divan Orchestra, das auf dem Album dazu noch mit einer beeindruckenden Aufnahme von Beethovens Siebter Sinfonie zu erleben ist.     

Virtuose Ekstasen

Als Anne-Sophie Mutter, Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma im Oktober 2019 in der Berliner Philharmonie ihren furiosen Auftritt mit Beethovens Tripelkonzert hatten, ahnte wohl niemand, was die Welt einige Monate später in Atem halten würde. Ungeachtet der konkreten Gefahren, die da lauern würden, gemahnten die drei Solisten indes grundsätzlich an die humanitäre Botschaft Ludwig van Beethovens. “Für mich ist Beethoven einer der ultimativen Humanisten”, urteilte der große Cellist Yo-Yo Ma, der in Beethovens Kunst einen Aufruf zur persönlichen Anstrengung ausmachte. Anne-Sophie Mutter erinnerte an die soziale Botschaft des Komponisten, der erkannt habe, “worum es im Leben geht: um das friedvolle Miteinander von uns Menschen, darum, dass wir füreinander da sind”. Daniel Barenboim schließlich betonte die emotionale Spannbreite des Komponisten: “Als Musiker zwingt er dich, an den Rand, den Abgrund und noch weiter zu gehen.”
Von all diesen Charakterisierungen, die im Augenblick eine so lebensnahe, jeden Menschen ergreifende Dimension erhalten, ist in dem soeben erschienenen Live-Mitschnitt etwas zu erleben. Packend sind die virtuosen Einzelleistungen der drei Solisten. Aber auch ihr achtsames und dynamisches Zusammenspiel, das den hoffnungsfrohen Geist des Tripelkonzerts gemeinschaftlich birgt, vermag zu fesseln. So bietet dieser hinreißende Mitschnitt tatsächlich einen wohltuenden Kontrast zu den niederschmetternden Nachrichten, die uns zurzeit umgeben.

Menschlicher Tatendrang

Einen anderen Akzent in puncto Freude, Zuversicht und Vorwärtsdrang setzt Beethoven mit seiner Sinfonie Nr. 7 in A-Dur. Entstanden unter dem Eindruck der napoleonischen Befreiungskriege, ist sie von der Idee des politischen Tatendrangs beseelt, der Fähigkeit des Menschen, Idealen zu folgen und etwas in Bewegung zu setzen. Kaum eine andere Persönlichkeit der Gegenwart verkörpert dieses weltverändernde Potenzial der Kunst aber überzeugender als der Dirigent, Pianist und Philanthrop Daniel Barenboim. Um an der Lösung des Nahost-Konflikts mitzuwirken, gründete er im Jahre 1999 gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra. Der multikulturelle Klangkörper führte zahllose junge Begabungen aus Palästina, Israel und anderen Nationen zusammen. Im Medium des gemeinsamen Musizierens lernten sie einander kennen und schätzen, wodurch das Orchester zu einem Symbol der Völkerverständigung wurde.
Im Vorjahr feierte der schillernde Klangkörper sein zwanzigjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass führte das West-Eastern Divan Orchestra im Juli 2019 in Buenos Aires unter der Leitung von Daniel Barenboim Beethovens Siebte Sinfonie auf. Der idealistische Furor des Wiener Klassikers und ein leidenschaftliches Orchester, das Sehnsucht nach Freiheit versprüht: Das musste funken und funkte schließlich auch, wie der nun zu erlebende Live-Mitschnitt eindrucksvoll beweist.
"Beethoven: Triple Concerto & Symphony No. 7 (Live)" ist ab sofort in digitaler Gestalt greifbar. Die physische Version des Albums erscheint am 8. Mai 2020 und bereits vorbestellbar.
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