Chick Corea | News | Zum Tod von Chick Corea - Jazzvirtuose mit spanischer Seele

Zum Tod von Chick Corea – Jazzvirtuose mit spanischer Seele

Chick Corea
(c) Roberto Masotti / ECM Records
12.02.2021
Nur wenige andere Musiker haben soviel für die weltweite Popularisierung des Jazz getan, wie der Pianist, Keyboarder, Komponist und Bandleader Chick Corea. 1941 in Chelsea/Massachusett als Armando Anthony Corea geboren, entwickelte er schon als Vierjähriger eine Leidenschaft für die Musik, die ihn nicht mehr loslassen sollte. Sein Vater, selbst ein semiprofessioneller Jazztrompeter, ermunterte ihn zum Klavierspielen und sorgte mit seiner Jazzplattensammlung dafür, dass der kleine Chick mit Bebop aufwuchs. Den Kosenamen verdankte er einer Tante, die, ihn, weil er als Kind so vorwitzig war, “Cheeky” nannte, woraus aber bald “Chick” wurde.
Seine professionelle Laufbahn begann Corea nach Kurzbesuchen der Musikfakultät der Columbia University und der renommierten Juilliard School in den frühen 1960er Jahren. Und er sollte den Jazz in den kommenden mehr als fünf Jahrzehnten maßgeblich mitprägen. Zunächst als Sideman von Mongo Santamaria, Blue Mitchell, Hubert Laws, Herbie Mann, Stan Getz und natürlich Miles Davis, danach mit einer Vielzahl eigener Bands. In den 1970ern vor allem mit dem Free-Jazz-Ensemble Circle und – als treibende Kraft des Fusion-Jazz – mit Return To Forever (RTF). Den 1980ern drückte er seinen Stempel mit der Akoustic Band feat. John Patitucci und Dave Weckl auf, die – elektrifiziert und verstärkt durch Gitarristen (u.a. Scott Henderson und Frank Gambale) und zeitweise Saxofonist Eric Marienthal - parallel als Elektric Band Schlagzeilen machte. Erfolge feierte er danach auch mit dem Sextett Origin, der wiedervereinten Band RTF und der Five Peace Band, die er zusammen mit John McLaughlin leitete. Nebenbei gab es auch immer wieder spektakuläre Duo-Projekte mit Gary Burton, Herbie Hancock, Bela Fleck und Hiromi Uehara sowie brillante Soloalben (u.a. für das Münchener Label ECM Records, bei dem auch die ersten RTF-Scheiben erschienen waren). Für seine Alben erhielt Chick Corea erstaunliche 23 Grammys, den ersten 1976, den letzten im vergangenen Jahr.
Ein besonderes Faible bewies Corea in seiner Karriere stets für spanische und lateinamerikanische Musik. Es kommt nicht von ungefähr, dass einige seiner bekanntesten Kompositionen Titel wie “Spain”, “La Fiesta”, “Armando’s Rhumba” und “Señor Mouse” tragen. Inspiriert hatte ihn dazu der spanische Gitarrist Paco de Lucía, von dem er 1972 in die Flamenco-Kultur eingeführt wurde und mit dem er danach mehrfach zusammenspielte (u.a. 1982 auf dem Album “Touchstone”).
Einen (mal mehr, mal weniger starken) Schatten warf auf Coreas Karriere gelegentlich seine Zugehörigkeit zur Scientology-Sekte, unter deren Einfluss er schon Ende der 1960er Jahre geraten war. Die kruden Science-Fiction-Storys des Sektengründers L. Ron Hubbard referenzierte Corea des Öfteren in Song- oder Albumtiteln wie “To The Stars” und “The Ultimate Adventure”. Sogar der Name der Band Return To Forever war an einen Hubbard-Titel (“Return To Tomorrow”) angelehnt. Damit eckte der Pianist hin und wieder bei Teilen der Kritik und des Publikums an, obwohl er sich – wie viele ehemalige Bandmitglieder deutlich machten – eigentlich nie als missionarischer Eiferer hervorgetan hatte.

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