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Zum 100. Todestag von Engelbert Humperdinck veröffentlicht Deutsche Grammophon Erinnerung: Homage to Humperdinck

Humperdinck Erinnerung Website News
© Veronika Illmer (Design) nach Leopold Wächter (Gemälde)
09.02.2021
Bis heute ist die Märchenoper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck populär, ein Großteil seines umfangreichen Œuvres aber ist in Vergessenheit geraten und kommt nur selten zur Aufführung. Das 100. Todesjahr des deutschen Komponisten bietet nun einen wunderbaren Anlass, um sich seines Schaffens zu erinnern. Deutsche Grammophon würdigt Humperdincks Musik mit Erinnerung: Homage to Humperdinck. Kuratiert von dem Pianisten Hinrich Alpers, erscheint die Anthologie am 23. April 2021 als eAlbum und 2-CD-Digipack. Zu hören sind Auszüge aus Humperdincks bekanntesten Partituren, seltene Archiveinspielungen, aber auch neu aufgenommene Pretiosen sowie die Weltersteinspielung des frühen Klavierstücks Erinnerung.
Erinnerung: Homage to Humperdinck beginnt mit Auszügen aus seiner Schauspielmusik zu Der Sturm (wie sie in den Shakespeare-Suiten Nr. 1 und 2 verwendet wurden), gespielt von den Bamberger Symphonikern und Karl Anton Rickenbacher. Es folgen Auszüge aus kontrastierenden Lesarten von Hänsel und Gretel – zum einen Georg Soltis mitreißende Interpretation mit Brigitte Fassbaender, Lucia Popp und Norma Burrowes, zum anderen ein fröhlicher »Knusperwalzer« aus Fritz Lehmanns Aufnahme aus dem Jahr 1955.
Weitere Highlights aus dem Archiv sind das Weihnachtslied An das Christkind, gesungen von  Dietrich Fischer-Dieskau, und Auszüge aus der Oper Königskinder – von Humperdinck selbst als sein schönstes Werk angesehen –, die 2005 in Montpellier live von Jonas Kaufmann, Ofelia Sala, Detlef Roth und Nora Gubisch eingespielt wurde. Gekrönt wird die Königskinder-Auswahl von Eberhard Wächters legendärer Aufnahme des Lieds des Spielmanns, »Verdorben! Gestorben!«, die in den späten 1950er-Jahren entstand.
Darüber hinaus bietet das Album eine Reihe von Neueinspielungen, aufgenommen in Koproduktion mit Deutschlandfunk Kultur; darunter auch Hinrich Alpers’ Weltersteinspielung der Klavierminiatur Erinnerung. Die »zauberhafte Trouvaille«, so Alpers, wurde von dem 17-jährigen Humperdinck für Ernestine geschrieben, die geliebte, früh verstorbene Schwester des Komponisten. Erst kürzlich entdeckte man die Widmungskomposition in Ernestines Poesiealbum.
Neben dem späten Streichquartett in C-Dur – einem Meisterwerk seiner Gattung – spielt das Schumann Quartett gemeinsam mit Alpers auch das Klavierquintett in G-Dur und außerdem Humperdincks Bearbeitung des Vorspiels zu Wagners Tristan und Isolde für Streicher und Klavier. Schließlich begleitet der Pianist die Sopranistin Christina Landshamer in einem frühen Liederzyklus mit Texten von Moritz Leiffmann und einer Auswahl anderer Lieder, darunter zwei weitere Weihnachtslieder.
Humperdincks Schauspielmusik zum Sturm wurde tatsächlich von einem Unwetter inspiriert. Der Komponist erlebte es im September 1906 auf der Ostseeinsel Usedom während eines Aufenthaltes in der Villa Meeresstern. Im Rahmen des Usedomer Musikfestivals initiierte Alpers die Humperdinck-Festtage vom 3.−5. September 2021 mit Veranstaltungen in der frisch renovierten Villa und an weiteren historischen Orten. Humperdincks Erinnerung wird dort erstmals öffentlich aufgeführt. Einen Vortrag zu Humperdincks Musik moderiert der deutsche Journalist und heutige Besitzer der Villa Kai Diekmann.
Engelbert Humperdinck, 1854 in Siegburg geboren, schrieb als Jugendlicher seine ersten dramatischen Werke und studierte anschließend am Kölner Konservatorium. Tief beeinflusst von Richard Wagners Musikdramen wurde er von dem verehrten älteren Komponisten nach Bayreuth eingeladen, um bei der ersten Inszenierung von Parsifal zu assistieren. Hänsel und Gretel entwickelte sich aus einer Reihe von Volksliedvertonungen, entstanden auf Wunsch seiner Schwester Adelheid, zu einem Singspiel und schließlich zu einer Oper. Die Uraufführung im Jahr 1893 unter der Leitung von Richard Strauss war ein sofortiger Erfolg, dem schon bald Produktionen in Opernhäusern in Europa und der Welt folgten. Humperdinck wurde 1900 zum Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Berlin ernannt und übernahm dort die Leitung der Meisterschule für Komposition. Neben Melodramen und Märchenopern umfasst sein Werkkatalog Lieder und Chorwerke, Bühnenmusiken sowie Orchester- und Kammermusikwerke.