RIAS Kammerchor Berlin und Justin Doyle präsentieren Winter Tales - The Britten Christmas Album

Zum 50. Todestag Benjamin Brittens am 4. Dezember verbindet das Album bekannte Weihnachtsmusik mit selten gespielten Chorwerken
Bis auf The Ballad of Little Musgrave and Lady Barnard ist das gesamte Programm neu im Katalog von Deutsche Grammophon
Das Album erscheint am 16. Oktober 2026 auf CD und digital in Stereo und Dolby Atmos
»A Ceremony of Carols ist bekannt und beliebt, doch das übrige Repertoire dürfte vielen weniger vertraut sein. Das Album ist als eine Art Weihnachtsstrumpf voller Entdeckungen gedacht.«
Justin Doyle
Der RIAS Kammerchor Berlin und sein Chefdirigent und Künstlerischer Leiter Justin Doyle widmen ihr neues Album der Chormusik Benjamin Brittens. Winter Tales – The Britten Christmas Album erscheint am 16. Oktober 2026, im Jahr des 50. Todestages des Komponisten, digital und auf CD. Im Zentrum stehen A Ceremony of Carols, A Boy was Born und die Missa brevis in D. Hinzu kommen A Hymn of St. Columba und The Ballad of Little Musgrave and Lady Barnard. Mit Ausnahme der Ballad ist das gesamte Programm neu im Katalog von Deutsche Grammophon. An der Aufnahme wirken außerdem die Knaben des Staats- und Domchors Berlin, die Harfenistin Anna Viechtl, der Organist Marcel Andreas Ober und der Pianist Philip Mayers mit.
Die Zusammenstellung ist als Weihnachtsalbum angelegt, folgt aber keiner konventionellen Festtagsdramaturgie. Brittens bekannte Weihnachtsmusik steht neben Kompositionen, die deutlich seltener zu hören sind und unterschiedliche Seiten seines Chorschaffens erschließen. Für Doyle ist dieses Repertoire eng mit der eigenen Biografie verbunden. Als ehemaliger Chorknabe der Westminster Cathedral lernte er mehrere der Werke bereits in jungen Jahren kennen. Für die neue Einspielung arbeitete er zudem mit Partituren, die Brittens handschriftliche Eintragungen enthalten und Hinweise auf dessen Klangvorstellungen und Aufführungspraxis geben.
Britten begann A Ceremony of Carols 1942 auf der Rückreise aus den Vereinigten Staaten nach Großbritannien. Vor der Abfahrt von Halifax in Nova Scotia hatte er Gerald Bulletts Gedichtsammlung The English Galaxy of Shorter Poems erworben; auf See vertonte er fünf Texte daraus, die den Kern der Ceremony bilden. Mittelalterliche Dichtung und gregorianischer Gesang verbinden sich mit Brittens charakteristischen Harmonien und melodischen Linien. Obwohl das Werk heute häufig mit Kinderstimmen assoziiert wird, war es ursprünglich für erwachsene Frauenstimmen gedacht.
Mit A Boy was Born steht der Ceremony ein Werk gegenüber, das Britten bereits mit 19 Jahren komponierte: eine rund halbstündige Folge von A-cappella-Variationen für Erwachsenen- und Knabenstimmen. Die Missa brevis in D entstand 1959 für den Chor der Westminster Cathedral und seinen Leiter George Malcolm. Ihr rhythmisch bewegtes Gloria, das zwölftönige Sanctus und das beunruhigend verklingende Dona nobis pacem des Agnus Dei zeigen Brittens Fähigkeit, strenge kompositorische Verfahren unmittelbar in dramatischen Ausdruck zu verwandeln.
Die weiteren Werke führen in andere historische und geistige Räume. A Hymn of St. Columba entstand 1962 anlässlich des 1400. Jahrestags von Columbas Reise von Irland nach Iona und verbindet einen Text über das Jüngste Gericht mit tiefem Orgelgrollen und einer konzentrierten Chorpartie. The Ballad of Little Musgrave and Lady Barnard entstand während des Zweiten Weltkriegs für Brittens Freund Richard Wood und weitere Musiker im Kriegsgefangenenlager Oflag VIIB bei Eichstätt. Britten schickte das Manuskript Seite für Seite auf Mikrofilm. Die Handlung erzählt von verbotener Liebe, Eifersucht und Mord; seine Vertonung folgt ihr mit großer szenischer Unmittelbarkeit.
Aufgenommen wurde Winter Tales im Januar 2026 in der Berliner Auenkirche. Ihre klare und zugleich resonante Akustik sowie die frisch restaurierte Orgel boten besondere Voraussetzungen für Brittens präzise gearbeitete Chorpartituren. Die ausschließlich auf Download- und Streamingplattformen verfügbare Dolby-Atmos-Version lässt den Raumklang der Kirche sowie den Ein- und Auszug des Chores in A Ceremony of Carols besonders schön hervortreten.
Die wechselnden Besetzungen, von Frauenstimmen und Harfe über den großen Chor mit Knabenstimmen bis zu Männerstimmen und Klavier, gehören zur Dramaturgie des Albums. Sie machen die Vielgestaltigkeit von Brittens Musik für die Konzertbühne hörbar. Darin zeigt sich für Doyle ein grundlegender Gedanke: »Es spielt eigentlich keine Rolle, wer seine Musik singt. Wichtig ist nur, dass sie gut gesungen wird, mit der richtigen spirituellen oder dramatischen Aussage.«
Winter Tales – The Britten Christmas Album erscheint am 16. Oktober 2026 auf CD sowie digital in Stereo und Dolby Atmos. There Is No Rose aus A Ceremony of Carols ist ab dem 2. Oktober 2026 als Stream und Download erhältlich. Unmittelbar nach Brittens 50. Todestag bringt der RIAS Kammerchor Berlin Teile des Albumprogramms auch auf die Konzertbühne: am 5. Dezember 2026 im Berliner Dom und am 6. Dezember 2026 in der Marktkirche Hannover, jeweils unter der Leitung von Justin Doyle.





