Floating Points bricht mit Konventionen: Das neue Album Mere Mortals erzählt den Pandora-Stoff neu - Floating Points | Deutsche Grammophon

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Floating Points bricht mit Konventionen: Das neue Album Mere Mortals erzählt den Pandora-Stoff neu

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05.06.2026

Der britische Klangpionier hat eine mitreißende Partitur
für eine futuristische Deutung des Mythos komponiert

Nicht nur die Musik auf der Bühne, auch die Aufnahme produzierte er selbst.
In San Francisco war Floating Points mit dem San Francisco Ballet Orchestra live zu erleben

Mere Mortals erscheint am 28. August 2026 in allen Formaten

Her Gift kommt digital am 5. Juni heraus

»[Shepherds] erste Ballettpartitur ist ein akustisches Wunderwerk …
ein einziger Rausch für die Ohren.«

San Francisco Chronicle

Er ist Komponist, Produzent, Musiker und DJ, ein Künstler, der durch seine Vielseitigkeit Genres sprengt: Floating Pointsalias Sam Shepherd – klassisch geschult, verehrt in der internationalen Clubszene und mit einem Jazzalbum auf der Shortlist des Mercury Prize. Im Januar 2024 saß Floating Points an den Synthesizern, als das San Francisco Ballet Orchestra und die Compagnie die Uraufführung seiner ersten abendfüllenden Ballettmusik Mere Mortals gaben. Tamara RojoArtistic Director des San Francisco Ballet, hatte das Werk in Auftrag gegeben und inszeniert. Mit einer Choreografie von Aszure Barton sowie Design und Visuals von Hamill Industries erzählt Mere Mortals die Geschichte der Pandora als zeitgenössisches Amalgam aus Mythos, Musik und Bewegung.

Für Deutsche Grammophon hat Floating Points Mere Mortals nun mit dem San Francisco Ballet Orchestra eingespielt. Elegische Streicher, apokalyptisches Blech und pulsierende Elektronik kommen in den 14 Stücken zum Einsatz. Das Album erscheint am 28. August 2026 in allen Formaten. Schon jetzt ist die eigenständige Extended Single Falling to Earth digital erhältlich. In den kommenden Monaten folgen weitere Singles – den Anfang macht am 5. Juni Her Gift.

»Her Gift ist ein Duett für Harfe und Therevox ET 4.3«, sagt Shepherd, »ein Tanz zwischen Epimetheus und Pandora. Er verliebt sich in sie. Am Ende erscheint Prometheus, um seinen Bruder von seinem Werben abzubringen. Die Harfenistin auf der Aufnahme ist die fantastisch begabte Miriam Adefris. Wir sind auf meiner letzten Tournee gemeinsam aufgetreten, und sie hat mir beigebracht, wie man für Harfe schreibt.«

Sam Shepherd wuchs mit Musik auf. Er war Chorknabe an der Manchester Cathedral, studierte als Teenager Klavier und Komposition an der Chetham’s School of Music und besuchte oft Konzerte mit seinem Vater. Einmal erlebte er in der Manchester MEN Arena, wie die Tanzcompagnie Rosas die Choreografie Rain von Anne Teresa De Keersmaeker zu Steve Reichs Music for 18 Musicians aufführte: »Ich hatte Tanz zuvor noch nie wirklich auf der Bühne gesehen – es war phänomenal.«

Jahre später begegnete Shepherd Tamara Rojo, der designierten Direktorin des San Francisco Ballet. Er selbst hatte sich da längst einen Namen gemacht – als eklektischer, experimenteller DJ und Produzent Floating Points sowie mit einer Reihe von Hits und den von der Kritik gefeierten Alben ElaeniaCrush und Promises (mit Jazzikone Pharoah Sanders und dem London Symphony Orchestra). Rojo fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, ein kurzes Stück für ihre neue Compagnie zu komponieren. »Ein Ballett zu schreiben war mir noch nie in den Sinn gekommen, doch ich antwortete: ›Am liebsten die ganze Show.‹ Und so kam es!«

Er lotete verschiedene Ideen aus, darunter ein Ballett über das Manhattan-Projekt – das geheime Programm des Zweiten Weltkriegs zur Entwicklung der ersten Atombombe. Seine Partnerin, die Tänzerin und Choreografin Hannah Ekholm, machte ihn auf die Parallele zu Pandora aufmerksam, die das Böse unabsichtlich in die Welt bringt – der Gedanke inspirierte Shepherd: »Jeden Tag gibt es eine neue Pandora, oder nicht? Eine neue Büchse, die geöffnet wird.« Angeregt von der Altphilologin, Autorin und Rundfunkmoderatorin Natalie Haynes, ging er auch der Frage nach, wie sich Frauenfeindlichkeit in den Mythos eingewoben hat. »Die Übersetzungen von Pandoras Geschichte raubten ihr die Handlungsmacht. Sie stellten sie als ›beschenkt‹ dar und nicht als ›schenkend‹, was treffender wäre. Bei Pandora geht es nicht darum, die Hölle auf Erden zu bereiten. Tatsächlich steht sie für Neugier und Wandel.«

Shepherds Partitur zu Mere Mortals ist reich an Texturen und Effekten, sie fesselt auch ohne die Choreografie und die Visuals einer Bühnenaufführung. So steht etwa die lyrische Solovioline in Hope (Cordula Merks) in scharfem Kontrast zur Dissonanz und zur hämmernden Percussion von Rage of the Gods, während die feine Harfenmelodie in Her Gift wie ein Moment des Innehaltens ist, bevor die bedrohliche Stimmung von Opening of the Jar dann Unheil verheißt.

»Die Orchestermusik tritt aus einem elektronischen Nebel hervor«, sagt Martin West, Music Director und Chefdirigent des San Francisco Ballet Orchestra: »Sie ist kein Gegensatz, vielmehr wächst sie organisch aus demselben Material, [und sie spiegelt so] die zentrale Frage des Balletts: Wo endet der Mensch und wo beginnt die Maschine?« Er lobt die Partitur als »unverkennbar heutig und doch verwurzelt in der formalen Disziplin, die große Ballettmusik ausmacht. Es gibt Themen, die sich entwickeln, Texturen, die atmen, und Stille, die spricht.«

Das Ballett erfindet ein neues Ende des Mythos, es nimmt Bezug auf die Klimakrise: In Gestalt eines Vogels steigt die Hoffnung aus Pandoras Büchse auf, aber der Planet, den sie umkreist, ist zu Asche geworden. »Nowhere to land zu schreiben war für mich der Höhepunkt des Prozesses«, sagt Shepherd. »Als ich hörte, wie die Musik, die ich zu Papier gebracht hatte, durch Cordulas gekonntes Violinspiel transformiert wurde, bekam ich Lust, in Zukunft noch viel mehr zu komponieren!«

Floating Points tritt bei der Europapremiere von Mere Mortals beim Edinburgh International Festival 2026 auf (28. August, mit dem Royal Scottish National Orchestra; weitere Vorstellungen am 29. und 30. August) sowie im Sadler’s Wells Theatre in London (9.–12. September, mit der Royal Ballet Sinfonia).

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