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Viel Raum für romantische Gefühle – Mari Samuelsen und Joep Beving in der Yellow Lounge

Joep Beving, Mari Samuelsen
© Stefan Höderath
21.09.2017

Der Herbst dringt allmählich durch. Die Tage werden spürbar kürzer. Ein scharfer Wind weht durch die Stadt. Es ist also wieder soweit. Wir müssen uns warm anziehen. Sommerliche Leichtigkeit adé. Das endlose Warten beginnt. Dann doch lieber sich romantisch einstimmen: Gold-orangene Farbspiele locken. Endlos gedehnte Herbstspaziergänge machen den Kopf frei, und gemütliches Beisammensein im Warmen, während draußen die kalten Winde vorüberziehen, braucht wahrscheinlich jeder.

Nordic Noir: Skandinavisches Dunkel

Einen Vorgeschmack auf den Charme einer eng zusammenrückenden Community, die poetisch-musikalische Bedürfnisse teilt und eine lauschige Atmosphäre bei sinkenden Außentemperaturen zu schätzen weiß, konnte man in der gestrigen Yellow Lounge erhaschen. Das renommierte Event, das klassische Musik ins Clubleben trägt, hatte ins Ritter Butzke geladen, einer Techno-Location in Berlin-Kreuzberg.

Der Laden ist rappelvoll, als Mari Samuelsen gegen 22:00 Uhr die Bühne betritt. Die norwegische Geigerin fackelt nicht lange, sondern legt sofort los. Warme Klangströme ergießen sich über das Publikum, das die zwischen Neoklassik, Minimal Music und elegischen Soundtracks angesiedelten Geigentöne der jungen Musikerin sichtlich genießt. Mari Samuelsen ist mit dem 12 ensemble angereist, einem Kammerorchester aus London.

Gemeinsam stellen sie das neue Album der Geigerin vor: “Nordic Noir”, eine Sammlung vornehmlich düsterer, lyrisch fließender Filmmusiken, komponiert von Größen wie Johan Söderqvist, Ólafur Arnalds oder Frans Bak. Diese Komponisten haben wesentlich dazu beigetragen, dass das skandinavische Krimi- und Drama-Genre einen hochwirksamen, überaus reizvollen Gruselfaktor erhielt.  

Viel Gefühl: Mari Samuelsen

Mari Samuelsen demonstriert an diesem Abend, dass die Musik auch ohne die Filme funktioniert. Das Ritter Butzke entgrenzt sich mystisch, wenn ihre Geigensounds in den Raum schallen. Die wie blaue Sternschnuppen über die Wände gleitenden Lichtinstallationen von VJ Philipp Geist verschmelzen dabei mit der Musik. Man beginnt zu träumen, schwelgt in Erinnerungen oder schwebt über Felder hinweg, und wer Filme wie “The Killing”, “Die Brücke” oder “Wallander” kennt, der findet sich jetzt schnell in einem verlassenen Waldstück wieder, wo Idylle und Verbrechen so bestürzend nah beieinander liegen.

Genussvoll ausatmen: Joep Beving

Die DJs Clé & Eva Be bringen das Publikum in der Pause mit entspannten Sounds wieder runter, als gegen 23:00 Uhr Joep Beving die Bühne betritt. Jetzt beginnt eine Reise nach Innen, die zu genussvollem Ausatmen anregt. Joep Beving ist ein Phänomen. Der niederländische Pianist arbeitete jahrelang in der Werbebranche.

Das Klavier half ihm, aus dieser schnelllebigen Arbeitswelt auszubrechen. Beving spielte und spielte, komponierte und komponierte, und was dabei entstand, war eine Art romantischer Minimalismus, melodisch und meditativ, eine Mischung aus Frédéric Chopin und Michael Nyman.

Über Spotify, wo er sein selbstproduziertes Album “Solipsism zum Streaming anbietet, dringt er über Nacht zu einem Millionenpublikum durch. Seine Musik berührt. Sie ist so verletzlich, so zart und schön, dass sie direkt zu Herzen geht. Und genau das passiert auch in der Yellow Lounge. Das Publikum ist überwältigt, als der Pianist sein neues, bei Deutsche Grammophon erscheinendes Album “Prehension” und Stücke des Vorgängers “Solipsism” vorstellt.      

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