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Yannick Nézet-Séguin
Yannick Nézet-Séguin

Wiederentdeckte Schätze: Yannick Nézét-Séguin und das Philadelphia Orchestra interpretieren Symphonien von Florence Price

Florence Price Symphonies 1 & 3 Yannick Nézet-Séguin
© G. Nelidoff / University of Arkansas
20.01.2022

Sie sind die geheimen Schätze der Musikgeschichte: Werke von eindrucksvoller Qualität und kompositorischer Dichte, die entweder nie den verdienten Zuspruch fanden oder aber in Vergessenheit gerieten. Umso lohnender ist die Hebung all jener verkannten Meisterwerke. Dies ist auch die Idee einer Aufnahmereihe bei Deutsche Grammophon, die sich speziell dem symphonischen Oeuvre der afroamerikanischen Komponistin Florence Price widmet, die zu Lebzeiten zwar große Berühmtheit erlangte, nach ihrem Tod aber lange Zeit in Vergessenheit geriet. Den Startpunkt der Reihe markiert ein Album, für das das Philadelphia Orchestra unter Leitung von Yannick Nézét-Séguin zwei Symphonien der Tonschöpferin eingespielt hat. Am 24. September 2021 ist die Aufnahme bereits als e-Album erschienen, nun wird sie als physisches Album bei Deutsche Grammophon veröffentlicht.

Florence Price – Komponistin wider alle Vorurteile

“Ich bin von vornherein doppelt im Nachteil – durch mein Geschlecht und meine Hautfarbe”, hat Florence Price einmal in einem Brief geschrieben und tatsächlich ist die Geschichte der afroamerikanischen Komponistin geprägt von Vorurteilen und Hürden, welche die außergewöhnliche Musikerin gleichwohl eindrucksvoll überwand. Price wurde 1885 in Little Rock in Arkansas geboren, erhielt zunächst Musikunterricht von ihrer Mutter und studierte später Komposition am New England Conservatory in Boston sowie privat beim Direktor des Instituts, George Whitefield Chadwick.

Nach ihrer Hochzeit zog die Musikerin mit ihrer Familie nach Chicago, um den Rassenkonflikten im Süden zu entgehen. Später ließ sie sich scheiden und zog ihre Kinder allein auf, für ihren Lebensunterhalt sorgte sie als Pianistin, Organistin, Lehrerin und Komponistin. Durchaus mit Erfolg: So war Price eine der ersten afroamerikanischen Komponistinnen überhaupt, die überall in den USA Anerkennung fand. Aufführungen, Veröffentlichungen und Aufnahmen ihrer Musik blieben jedoch selten und nach ihrem Tod 1953 gerieten ihre Werke schnell in Vergessenheit. Erst in jüngerer Zeit wurde ihre Musik wiederentdeckt und erfährt nun ihre verdiente Würdigung.

Melodienreich und voll emotionaler Wärme – das symphonische Werk von Florence Price

Mit der ersten und der dritten Symphonie sind auf dem Album zwei großformatige Werke der Komponistin vereint. Sie sind Teil einer Werkgruppe von insgesamt vier Symphonien, die Price mit klassisch angelegt hat und deren modal geprägte, auf afroamerikanischen Spirituals basierende Melodien deutlich an Dvořáks Symphonie “Aus der Neuen Welt” angelehnt sind. Die Symphonie Nr. 1 in E-Dur fasziniert mit der kunstvollen Kombination von Volksmelodien mit Choralsatz und Anklängen an die Jazz-Harmonik, wurde 1933 uraufgeführt und gewann den Rodman Wanamaker Contest in Komposition. Die dritte Symphonie wiederum entstand während der Großen Depression als Auftragswerk des Federal Music Project und gleicht für Nézét-Séguin einem vokalen Meisterwerk, bei dem die Komponistin mit chorischer Satztechnik und Melodien von einnehmender Sanglichkeit arbeitet.

Farbenreich und berührend – eindrucksvolle Würdigung der Komponistin

Yannick Nézet-Séguin und dem Philadelphia Orchestra ist es ein großes Anliegen, zur größeren Bekanntheit und Wertschätzung von Florence Price Tonkunst beizutragen. Mit dem neuen Album setzen sie diese eindrucksvoll in die Tat um und bieten dem Publikum einen faszinierenden Einblick in die Kompositionskunst von Price. Mit transparentem Klang, einer feinen Ausjustierung der einzelnen Instrumentalstimmen und betörend warmem Grundton erwecken die Musiker die Werke von Florence Price unter der impulsstarken Leitung von Nézét-Séguin wieder zum Leben und bereichern so das symphonische Konzertrepertoire. 

Florence Price: Symphonies Nos. 1 & 3
PRICE Symphonies Nos. 1 & 3 / Nézet-Séguin
3. März 2023

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