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Von der Liebe, dem Leben und dem Tod: Matthias Goerne veröffentlicht den dritten Part seiner Lieder-Trilogie mit Daniil Trifonov

Goerne, Trifonov: Lieder
22.04.2022
Die ersten beiden Liederalben von Matthias Goerne für Deutsche Grammophon – das eine mit Jan Lisiecki, das andere mit Seong-Jin Cho – erhielten begeisterte Kritiken und wurden mehrfach ausgezeichnet. Der renommierte Bariton beschließt die Trilogie nun in Zusammenarbeit mit Daniil Trifonov. Matthias Goerne · Daniil Trifonov – Lieder, das am 10. Juni 2022 veröffentlicht wird, zeigt zwei Künstler auf der Höhe ihrer Gestaltungskraft in Werken, die den Blick auf die bedeutenden Fragen der Conditio humana freigeben. Gedanken und Einsichten zu Leben und Tod spiegeln sich in der Musik von Schumann, Brahms, Wolf, Berg und Schostakowitsch.
Vorab kommen zwei e-Singles heraus: »Im wunderschönen Monat Mai« aus Schumanns Dichterliebe (22. April) und »Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh« aus Brahms’ Vier ernsten Gesängen (20. Mai). Am 24. Juni 2022 ist Goernes und Trifonovs Aufführung des Repertoires im Livemitschnitt aus der Berliner Philharmonie vom Januar 2019 auf DG Stage zu erleben.
Das Album umfasst unter anderem Schumanns Dichterliebe (1840), einen Zyklus von 16 Liedern, die der Komponist im Jahr seiner Hochzeit schrieb, und Wolfs Michelangelo-Lieder (1897), drei Reflexionen über das Wesen der Zeit, der Sterblichkeit und der Liebe, entstanden nur wenige Monate, bevor Wolf endgültig dem Wahnsinn anheimfiel. An den Anfang stellten Goerne und Trifonov Bergs Vier Gesänge op. 2, kurze, gleichwohl bezaubernde Anrufungen des Schlafs und des grenzenlosen Reichs der Träume. Ein Abstecher zu den metaphysischen Aspekten des Daseins führt zu drei Liedern aus Schostakowitschs Suite nach Gedichten von Michelangelo Buonarroti (1974), die der sowjetische Komponist gut ein Jahr vor seinem Tod vollendete. Den Abschluss bilden Brahms’ Vier ernste Gesänge (1896), das letzte zu Lebzeiten veröffentlichte Werk des Komponisten. Die Unausweichlichkeit des Todes im Lauf der Dinge wird hier schonungslos benannt. Die prophetischen Texte des Liederzyklus, vertont mit einer Musik, die Trost zu spenden sucht, sind der Bibel entnommen, unter anderem dem Buch »Der Prediger Salomo«.
Seit Beginn seiner Karriere Anfang der 1990er-Jahre hat Goerne mit vielen renommierten Pianisten zusammengearbeitet, darunter Christoph Eschenbach, Alfred Brendel, Vladimir Ashkenazy und Leif Ove Andsnes. Die Einladung, mit drei herausragenden jungen Pianisten von Deutsche Grammophon Spitzenwerke des Liedrepertoires aufzunehmen, nahm er ohne Zögern an. Der erste Teil der Reihe, ein Beethoven-Album mit Jan Lisiecki (März 2020), erhielt den Diapason d’Or und den niederländischen Edison Klassiek Award. Im April 2021 folgte Im Abendrot, mit Liedern von Wagner, Pfitzner und Richard Strauss, aufgenommen mit Seong-Jin Cho. Im Abendrot wurde vom australischen Magazin Limelight zur besten Vokalaufnahme des Jahres 2021 gekürt.
Für das letzte Album der Trilogie ist Goerne eine weitere bemerkenswerte Duopartnerschaft eingegangen. Daniil Trifonov reagiert seismografisch auf jede Ausdrucksnuance der Werke. »Vom ersten Augenblick unserer Zusammenarbeit an war ich begeistert von dem ernsthaften Ansatz, mit dem Daniil noch das letzte Detail erfasst, und von der tiefen Durchdringung, die sein poetisches Gespür begleitet«, sagt der Bariton. »Es war faszinierend zu erleben, mit welcher Vorurteilslosigkeit, Reife und Weisheit er an diese Lieder heranging.«
Die intuitive, intensive Partnerschaft, die die beiden Künstler in diesem Repertoire vorführen, hat ursprünglich mit Liederabenden bei den Salzburger Festspielen 2017, in der Bremer Glocke und in der New Yorker Carnegie Hall begonnen. In der Besprechung des Bremer Konzerts lobte Der Spiegel die »Sternstunde mit zwei starken Individualisten, die im besten Sinne traumwandlerisch interagierten« und schrieb: »… der Sänger stieg körperlich in den Text ein, stellte mit sparsamen, dennoch spontan wirkenden Ausdrucksformen Emotionen und Inhalte dar, sodass das Publikum sich mitunter mehr in einer Inszenierung als einer kammermusikalischen Weihestunde wähnte. Genau dafür war Daniil Trifonov der ideale Partner.«
Fast zeitgleich mit dem Erscheinen von Matthias Goerne · Daniil Trifonov – Lieder wird das Duo das Programm im Amsterdamer Concertgebouw (9. Juni), beim Klavier-Festival Ruhr in Wuppertal (11. Juni), in der Hamburger Laeiszhalle (13. Juni) und in der Pariser Philharmonie (15. Juni) aufführen.

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