Perfekte Balance zwischen Intimität und Intensität

Das 1993 aufgenommene und 1994 veröffentlichte Album “Oracle” dokumentiert das erste Duo-Aufeinandertreffen des Kontrabassisten Gary Peacock und des Multiinstrumentalisten Ralph Towner, der hier ausschließlich an klassischer und zwölfsaitiger Gitarre zu hören ist. Die beiden ECM-Legenden hatten bereits fünf Jahre zuvor auf Towners ECM-Album “City of Eyes” im Quintett-Format miteinander gearbeitet. 1995 kehrten sie für eine zweite Duo-Session ins Studio zurück, die ECM 1998 unter dem Titel “A Closer View” veröffentlichte. Wie das britische Klassikmagazin Gramophone damals feststellte, erzeugten Peacock und Towner auf “Oracle” Musik von “intellektueller Intensität”, die zugleich “verführerisch schön anzuhören” sei. Als Ausgangspunkt für ihre größtenteils kammermusikalischen, mitunter aber auch überraschend groovigen Dialoge dienen den beiden Protagonisten dabei neun Originale (sechs aus der Feder von Peacock, zwei aus der von Towner sowie das gemeinsam komponierte Titelstück), in denen sie komponierte Passagen und abenteuerliche Improvisationen nahtlos miteinander verbanden.
“‘Oracle’ zählt zu Ralph Towners besten Einspielungen”, meinte Manfred Schmidt in Stereo, als das Album 1994 erschien. “Aufgenommen hat er sie mit einem der herausragenden Bassisten im Jazz. Und der spielt hier noch melodiöser und perkussiver als mit Keith Jarrett, lässt seinen Kontrabass Geschichten erzählen, die zudem hervorragend aufgenommen wurden: man hört das Surrend er Saiten, die sich bewegenden Finger auf dem Griffbrett, die voluminösen Resonanzen des großen Instrumentenkörpers. Ebenso genial wurde Towners klassische Gitarre eingefangen. […] Doch was wären all diese technischen Raffinessen, wenn die Chemie zwischen den beiden Musikern nicht stimmen würde? Wie sich Towner und Peacock die Spielbälle zuwerfen, wie sie aufeinander reagieren, ist ebenso subtil wie umwerfend: Das Ergebnis ist die beste Jazz-Duo-Platte seit langem.”
In Stereoplay schrieb Matthias Inhoffen wiederum: “Mit Ralph Towner findet Gary Peacock zu einem lebendigen, offenen, an filigranen Finessen reichen Dialog. Wie selten bei einer Duoaufnahme sind beide Parteien ständig in Bewegung, lauschen dem anderen seine möglichen nächsten Schritte ab, reagieren auf die feinste Andeutung, unterbreiten mit zurückhaltender Eleganz ihre eigenen Ansichten. Aktion und Reaktion sind bei dieser Kammerjazz-Etüde nur schwer zu trennen.”
In der “Luminessence”-Serie wird dieses von Manfred Eicher produzierte Meisterwerk nun zum ersten Mal in einem Tip-On-Gatefold-Cover mit Fotos der Aufnahmesession auf Vinyl veröffentlicht.





